Joe Bonamassa in der „hr1-Live Lounge“ in der Orangerie, Kassel

Joe Bonamassa, Orangerie, Kassel, HR1 Live Lounge
Foto: Anja Hübl

Joe Bonamassa ist zweifelsohne einer der weltbesten Gitarristen. Seine Konzerte sind legendär. Nach zwei Auftritten in der Frankfurter Jahrhunderthalle machte er nun einen Abstecher nach Kassel und spielte exklusiv vor 150 HR1-Hörern in der HR1-LIVE LOUNGE, die bereits seit Jahren exklusive Konzerte mit außergewöhnlichen Künstlern an außergewöhnlichen Orten präsentiert. Karten für diese Ausnahmeveranstaltung konnte man nur gewinnen. Denn zu kaufen gab es sie nicht.

 

Vor Konzertbeginn versuchten Fans, die nicht so viel Glück hatten, vor dem barocken Schloss einen Blick auf den Gitarrenhelden zu erhaschen. Mehrere Male sah man Bonamassa inkognito und ungewohnt leger gekleidet im Orangerie-Restaurant. Nicht jedem Gast war zu diesem Zeitpunkt aufgefallen, wer da eigentlich gerade vorbeigegangen war. 150 Gäste im Orangerie-Saal – letztendlich hätten wohl locker doppelt so viele hineingepasst. Ursprünglich sollte das Konzert auch bestuhlt stattfinden, was der Künstler aber sprichwörtlich in letzter Minute hatte ändern lassen. Bluesrock benötigt nun mal eine gewisse Bewegungsfreiheit.

 

Zum Bandintro des Johnny Cash Klassikers „Ring Of Fire“ betritt der „Meister“ in Begleitung seiner Musiker die Bühne. Mit den ersten Klängen von „Locomotive Breath“ (Jethro Tull) tauchen die zahlreichen Scheinwerfer die Bühne in gleißendes Licht. Donnernder Gitarrensound erschallt aus den fast überdimensionierten Lautsprechern. Mit „This Train“ startet Joe Bonamassa die Vorstellung seiner neuen, gegen Ende März erscheinenden CD „Blues Of Desperation“. Ohne Pause geht es weiter mit „Mountain Climbing“, „Blues Of Desperation“ und „No Good Place For The Lonely“.

 

Nach Bandvorstellung und Joes Begrüßung des Publikums setzt sich die zweite Konzerthälfte mit dem Freddy King Klassiker „See See Baby“ und Songs aus vorhergehenden Alben, wie unter anderem „Oh Beautiful“, „Love Ain’t A Love Song“ und „Gave Up Everything For You“ fort. Joe Bonamassa beherrscht sämtliche Spielarten auf seinem Instrument in Perfektion. Die Gitarre scheint bei ihm zum Sprachrohr der Seele zu werden. Seine Finger gleiten rasant über das Griffbrett, während seine Schlaghand sich so schnell über die Saiten bewegt, dass das Auge kaum folgen kann. In seinen fulminanten Soli zeigt er aber auch, dass er die ganz zarten, leisen Töne beherrscht, die dann im nächsten Moment urplötzlich in harte Riffs übergehen, die fast schon nach Hardrock oder Heavy Metal klingen. Beim Zusammenspiel mit seinen fünf hervorragenden Musikern Reese Wynans (Hammondorgel), Michael Rhodes (Bass), Lee Thornburg (Trompete), Paulie Cerra (Tenorsaxophon) und Anton Fig (Drums) passt musikalisch wie kommunikativ alles. Spielerisch liefert sich Joe Bonamassa mit seinen Musikern mitunter instrumentale Duelle, die auch das Publikum vollends begeisterten. Dass Joe Bonamassa nicht ohne Zugabe aus der HR1-LIVE LOUNGE entlassen wurde, versteht sich von selbst. (tw, ah)